Videocity: Utopia Today – Flower Power
7.4. bis 26.5.2024
videocity
zu Gast mit Videos von
guest presentation with videos by:
Copa & Sordes, Youngjoo Cho, Anouk Sebald, Kwang-Ju Son, Olga Titus, Gyonyoung Yoon
Kuratiert von Gyo Yoon, Seoul, Andrea Domesle, Basel
Ausserdem «Sail» Installation von Susanne Neiss bis 11. Mai
Finissage 11.5. 2024 ab 17 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin
Videocity ist ein international vernetztes Team, das Videokunst im öffentlichen Raum präsentiert.
www.videocity.org
zur Ausstellung
Das Programm mit einer Auswahl von jeweils drei Videoarbeiten aus Südkorea und aus der Schweiz entstand anlässlich des 60-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern und wurde 2023 an verschiedenen prestigeträchtigen Institutionen in Südkorea gezeigt, u.a. auf der Kunstmesse ART BUSAN, im Museum SONGEUN, Seoul und als Outdoor-Screening beim Lā'au-Gebäude, Seoul.
Nun ist es auch in der Schweiz und Deutschland zu sehen.
Die Kuratorinnen Gyo Yoon (Südkorea) und Andrea Domesle (Schweiz), beide Teil des Videocity Teams, schreiben dazu:
Fünf Künstlerinnen und ein Duo thematisieren «Utopia» aus ihrer eigenen persönlichen Erfahrung – starke und eindrückliche Haltungen, die in eine faszinierende visuelle Sprache übersetzt sind. Mit den Videos untersuchen sie die durch die Technologie verursachten sozialen Normen und Veränderungen und reflektieren gleichzeitig die Auswirkungen auf das Verständnis von uns selbst und der Welt um uns herum. Könnte Utopie verwirklicht werden, indem wir die Sichtweisen anderer Menschen teilen?
Jedes Video leitet die Betrachtenden dazu an, die innere und äußere Wahrnehmung des eigenen Ichs bzw. des Selbstverständnisses auf persönliche Art und Weise zu erkunden. Wir können darüber nachdenken, was wir jetzt tun können, um die Welt besser zu machen. «Flower Power» schafft neue Verbindungen und inspiriert uns zur Verbundenheit mit uns selbst und anderen.
«Flower Power» by Gyo Yoon and Andrea Domesle both from Videocity team
Artists: Copa & Sordes, Youngjoo Cho, Anouk Sebald, Kwang-Ju Son, Olga Titus, Gyonyoung Yoon
Five women artists and an artist duo speak of “Utopia” in their experiences – a strong yet sophisticated message translated into intriguing visual languages. With their video works, they examine the social norms and shifts caused by technology, while reflecting on the implications on the understanding of ourselves and the world around us. Could Utopia be realised by sharing each other’s points of view?
Each video guides the viewers to explore the inner and outer self-awareness in their own unique way. We can reflect on what we can do now to make the world better. “Flower Power” creates new connections and inspires us to open ourselves up to others.
Youngjoo Cho "Floral Patterned Romance" 2014, 6:51 min HD, Ton
Dadaepo („grosser und breiter Hafen“), ist bekannt für seinen Rainbow Industrial Complex und liegt am Stadtrand von Busan. Die Darstellerinnen in diesem Film sind dreizehn einheimische Frauen, die in diesem Komplex arbeiten.
Das Projekt entstand aus dem Interesse an der Generation meiner Mutter. Frauen, die direkt nach dem Koreakrieg geboren wurden, haben über „seon“ (die Bedeutung dahinter ist, dass Mann und Frau sich bereits mit der Aussicht auf eine Heirat treffen und kennenlernen) geheiratet und sich für ihre Ehemänner und Kinder aufgeopfert.
Frauen, die sich immer noch wohlfühlen, wenn sie als Ehefrau oder Mutter bezeichnet werden, haben sich selbst als „schön“ empfunden, auch wenn es nur vorübergehend war.
Durch das Leben dieser Frauen, das die Geschichte Koreas jahrzehntelang begleitet hat, können wir uns das Leben unserer Mütter und ihrer gesamten Generation bewusst machen.
Dadaepo (meaning “big and wide port”), well known for its Rainbow Industrial Complex, is located on the outskirts of Busan. The performers in this film are thirteen local women working at the complex.
The project started from the interest towards my mother's generation. Women from my mother's generation, who were born right after the Korean War, have married via 'seon (meeting each other with a view to marriage)' and have sacrificed themselves towards their husbands and children.
Women, who are still comfortable being called as someone's wife or someone's mom, have found 'beautiful' themselves, despite the fact it was only temporary. Some were happy as if they were children, and some wept with their mind deeply touched. Through their lives, which lasted with the history of Korea for decades, we had a moment to remind ourselves about the lives of our mothers and their generation.
(Youngjoo Cho)
*1978 Seoul, lives in Seoul, South Korea
www.youngjoocho.com
Anouk Sebald
"A Touch of Blue"
2021, 1:36 min HD, Ton @beatmother
Eine rosa Blume schwebt und bewegt sich langsam in einer geteilten blauen Fläche unter Wasser. Die Perspektive des Betrachters verändert sich ständig, so dass die genaue Position im Raum unklar bleibt. Die Langsamkeit der Aufnahme und der Wechsel von oben nach unten lassen Raum und Zeit verschwimmen. Der Ton verstärkt die Atmosphäre mit einer eher dramatischen und geheimnisvollen Wirkung. Die Farben und Texturen der Blumen wirken fast unwirklich. Die traumhafte Stimmung wird durch die Farbe des Lichts und die Lichtreflexe noch verstärkt und unterstreicht die symbolische und übertriebene Wirkung, die ins Kitschige zu kippen droht. Doch die Spiegelungen und die Geräuschkulisse verwandeln das Ganze in ein surreales, mehrdeutiges Bild mit offenem Ende.
A pink flower floats on a divided blue surface, moving slowly under water. The viewer's perspective is constantly shifting, so that the exact position in space remains unclear.
The slowness of the shot and the rotation from above and below blur space and time. The sound reinforces the atmosphere with a rather dramatic and mysterious effect. The colours and textures of the flowers seem almost unreal. The dreamlike mood is intensified by the colour of the light and the light reflections, underlining the symbolic and exaggerated effect, which threatens to become kitsch. However, the reflections and soundscape turn this into a surreal, ambiguous image with an open ending.
(Anouk Sebald)
*1971 Bern, lives in Gümligen near Bern
www.anouksebald.ch
Kwang-Ju Son „Amusement Epitome“
2006, 2:45 min HD, Ton
Ein Tagesausflug nach Europa: Genießen Sie europäische Musik, Waren und Speisen, während Sie sich die spektakuläre europäische Parade und die aufregende europäische Aufführung ansehen.
Mit diesem Werbeslogan wurde 2005 das Euro Festival im Vergnügungspark Everland in Südkorea beworben. Es sollte mitten in einen europäischen Palast einladen und ein faszinierendes Auslandserlebnis bieten. In ihrer Arbeit «Amusement Epitome» führt uns Kwang-Ju Son durch dieses Szenarium.
‘A day trip to Europe: Enjoy European music, goods, and food while watching the spectacular European parade and the exciting European performance.
This was the advertising slogan used for the Euro Festival held in the Everland amusement park in South Korea in 2005. It aimed to invite people to the middle of a European palace, offering a fascinating foreign experience. Kwangju Son takes us to this scene through her work Amusement Epitome.
(Gyo Yoon)
*1970 Busan, Südkorea, lives in Yongin, South Korea
www.ksonimage.com
Olga Titus „Guardians“
2021, 10 min Ton
In meiner Videoarbeit «Guardians» fliessen träumerische Gärten ineinander: Von den Lavendellandschaften über die Seerosenteiche bis hin zu den Trauerweiden – Es besteht eine starke Verbindung zur Malerei.
Meine prozessorientierte Arbeitsweise beim Kreieren digital generierter Welten mutet für mich sehr malerisch an. Ein Bild generiert das nächste Bild. Ich lasse das Video während des Prozesses entstehen.
In Claude Monet‘ Manier oder wie Marie Bracquemond (einer weiblichen Vertreterin des Impressionismus), sehe ich mich stehend an einer Staffelei im wunderbaren Garten von Giverny. Anstelle des Pinsels schwinge ich die Maus und erschaffe ein digital generiertes Gemälde.
In my work Guardians dreamlike gardens blend into one another – from the lavender landscapes to the water lily ponds and the weeping willows. The work has a strong connection to the medium of painting.
My process-oriented way of working when creating digitally created worlds feels very painterly to me. One image generates the next image. I let the video emerge during the process.
In the manner of Claude Monet or Marie Bracquemond (a female representative of Impressionism), I see myself standing at an easel in the marvellous garden of Giverny. Instead of a paintbrush, I wield the mouse and create a digitally generated painting.
(Olga Titus)
*1977 Glarus, Lives in Winterthur
www.cargocollective.com/OlgaTitus/
Copa & Sordes „Frogs110605_2, 2011/2023“
2020,
6 min Ton (Videocity Kurzversion 2023)
Mit fixer Kamera-Einstellung und in Echtzeit kreiert das Künstlerduo Copa & Sordes (Birgit Krueger und Eric Schmutz) sogenannte Videotableaux. Sie untersuchen dabei Aspekte der Zeitlichkeit und des Dokumentarischen in einem definierten Bildausschnitt.
Die statischen Aufnahmen von Blumenarrangements zitieren die Genre- und Stilllebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Zunächst erscheinen sie auf den ersten Blick unbewegt. Beim genaueren Hinsehen lassen sich zwischen antikem Porzellan und echtem Schmuck kleine Frösche entdecken, die der Arbeit Leben einhauchen.
Die Genre- und Stilllebenmalerei erlebt durch die von Copa & Sordes geschaffenen Videotableaux eine Neuerfindung. Durch das bewegte Bild und den Ton ist nicht mehr nur eine Momentaufnahme möglich, sondern ein immersiver Einblick in eine eigene, in sich geschlossene Welt.
With a static camera and no cuts, the video series Frogs and Animals by the artist duo Copa & Sordes, comprising of Birgit Krueger and Eric Schmutz, consists of “video-tableaux”. They examine aspects of temporality and the documentary in a defined image section.
The static shots of flower arrangements are strongly reminiscent of seventeenth- and eighteenth- century genre and still life painting, seeming motionless at first glance. On closer inspection, small frogs can be discovered between antique porcelain and jewellery, breathing life into the work.
Genre and still life painting has been reinvented by the video tableaux created by Copa & Sordes. The moving image and sound no longer just provide a snapshot, but an immersive insight into a self-contained world.
(Copa & Sordes)
Copa & Sordes (Birgit Krueger *1967 München & Eric Schmutz *1962 Zofingen), live in Basel
www.copaetsordes.ch
Gyonyoung Yoon „Filling in the Physical Reality, Living in Digital Reality“
2020,
3:12 min Ton, 16:9
Als ausländische Studentin stand ich vor einem Problem, das ich in meinem Leben noch nie hatte: "Einen Ort zu finden, an den ich gehöre. Und das war schwieriger, als ich es mir je vorgestellt hatte. Anstatt in der physischen Realität nach einem Zuhause zu suchen, habe ich es in der digitalen Realität gefunden, indem ich digital erzeugte Schichten über meine physische Realität gelegt habe, in der Hoffnung, die Lücken in meinem Leben zu füllen.“
As an international student, I faced a problem that I had never had in my life before - ‘Find a place where I belong.' And it was harder than I ever imagined. Instead of struggling to make a home in physical reality, I made it in digital reality by applying digitally-recreated layers over my physical reality, hoping to fill in the blanks in my life.
(Gyo Yoon)
* 1993 in the Republic of Korea, lives in Seoul
http://studiogyo.com/